Das frühe Universum war voller kleiner schwarzer Löcher

Das frühe Universum war voller kleiner schwarzer Löcher

Video: PHYSIK IM THEATER: Massereiche schwarze Löcher und die Entwicklung von Galaxien (05.10.2016) (March 2020).

Anonim

Eine Forschergruppe in Cambridge glaubt, dass das Universum einst voller winziger schwarzer Löcher gewesen sein könnte. Dr. Martin Haehnelt, ein Forscher in der von dem Astronomen Royal Martin Rees geleiteten Gruppe, wird auf der Physikkonferenz des Institute of Physics 2005 in Warwick neue Beweise vorlegen, um diese umstrittene Idee zu untermauern.
Die meisten Kosmologen glauben, dass supermassereiche Schwarze Löcher in großen Galaxien aufwuchsen und im Laufe der Zeit Masse ansammelten. Laut Haehnelt gibt es jedoch zunehmend Hinweise auf eine andere Ansicht: Kleine Schwarze Löcher sind unabhängig voneinander gewachsen und haben sich zu den heute existierenden Giganten zusammengeschlossen.

Haehnelt weist auf Hinweise aus neueren Studien zum kosmischen Mikrowellenhintergrund (CMB) hin. Diese Strahlung, die manchmal als "Echo des Urknalls" bezeichnet wird, wandert seit dem Alter des Universums von nur 400.000 Jahren unverändert durch den Weltraum. In diesem Moment kühlte sich das Universum durch einen kritischen Punkt ab und ließ die CMB-Strahlung zum ersten Mal frei laufen - als hätte sich ein kosmischer Nebel erhoben. Neue Erkenntnisse zeigen jedoch, dass 10 bis 15 Prozent dieser Strahlung seitdem gestreut wurden. Dies deutet auf eine Wiedererwärmung des Universums hin, mit der niemand gerechnet hatte.

Haehnelt erklärt, dass dies auf eine Ära hindeuten könnte, in der kleine Schwarze Löcher an der Tagesordnung waren. "Materie, die sich um ein Schwarzes Loch ansammelt, erwärmt sich", erklärt er, "und diese Erwärmung könnte ein Zeichen dafür sein, dass zu dieser Zeit kleine Schwarze Löcher im Universum weit verbreitet waren."

Wenn kleine Schwarze Löcher zu der supermassiven Sorte verschmelzen, die sich in den Zentren der Galaxien befindet, könnte dies auf verräterische Weise belegt werden. Eine solche Fusion beginnt mit zwei schwarzen Löchern, die sich gegenseitig umkreisen und immer enger zusammenrücken. In der katastrophalen Energiewelle, in der sie sich schließlich vereinigen, kann jede Asymmetrie das entstehende Schwarze Loch in den Weltraum fliegen lassen. "Wenn dies passiert ist", sagt Haehnelt, "könnten wir die gelegentliche Galaxie mit dem fehlenden zentralen supermassiven Schwarzen Loch finden."

Die Beweise sind keineswegs schlüssig. Bis dahin werden die CMB-Ergebnisse eine Quelle hitziger Debatten bleiben.

Dr. Martin Haehnelt ist Dozent für Kosmologie und Astrophysik am Institut für Astronomie der Universität von Cambridge.

Quelle: Institut für Physik