Fraunhofer, Continental kommen zusammen, wenn der Löwenzahngummi auf die Straße trifft

Fraunhofer, Continental kommen zusammen, wenn der Löwenzahngummi auf die Straße trifft

Video: Folge 8 – Zoom – Autoreifen aus Löwenzahn (Kann 2020).

Anonim

von der Fraunhofer-Gesellschaft

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(Fraunhofer-Gesellschaft) Aus dem Saft des Löwenzahns kann Gummi gewonnen werden. In Zusammenarbeit mit Industrie und Wissenschaft hat das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie IME in den letzten Jahren die Anbau- und Produktionstechnik optimiert. Jetzt bauen die Forscher in Zusammenarbeit mit Continental die erste Pilotanlage, mit der große Mengen Löwenzahnkautschuk für die Reifenherstellung gewonnen werden: Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Kautschukbeschaffung in Europa.

Das gemeinsame Projekt wurde Anfang Oktober offiziell gestartet. Ziel ist es, den Produktionsprozess in den nächsten fünf Jahren so weiterzuentwickeln, dass Continental Reifen aus Löwenzahngummi herstellen kann. Deshalb haben Molekularbiologen des IME und der Forschungsabteilung des Automobilzulieferers in Münster eine Pilotanlage errichtet, in der tonnenweise Naturkautschuk hergestellt werden kann. Gleichzeitig bauen sie mehrere Hektar einer besonders kautschukreichen Löwenzahnsorte an. Um den Rohstoffgehalt und die Eigenschaften der Blüte zu optimieren, bauten die Forscher gleichzeitig neue Sorten mit einem höheren Anteil an Kautschuk und Biomasse an. Die ersten Prototyp-Testreifen, die mit Mischungen aus Löwenzahngummi hergestellt wurden, sollen in den nächsten Jahren auf öffentlichen Straßen getestet werden. Das auf diese Weise gewonnene Naturprodukt zeigte die gleiche Qualität wie der konventionelle Kautschuk aus Kautschukbäumen, der aus subtropischen Ländern importiert und in der Reifenherstellung verwendet wurde. Im Gegensatz zum konventionellen Kautschuk könnte er jedoch kostengünstiger geerntet, besser angebaut und in Deutschland als nachhaltiger Rohstoff angebaut werden - auch auf Flächen, die bisher nicht für landwirtschaftliche Nutzpflanzen geeignet waren.

"Durch modernste Anbaumethoden und Optimierung der Systemtechnik ist es uns gelungen, hochwertigen Naturkautschuk aus Löwenzahn herzustellen - im Labor. Es ist jetzt an der Zeit, diese Technologie vom Pilotprojektmaßstab auf den industriellen Maßstab umzustellen." Mit Continental haben wir einen kompetenten Partner gefunden, mit dem wir jetzt serienreife Reifen herstellen wollen ", erklärt Prof. Dr. Rainer Fischer, Institutsleiter am IME in Aachen.

"Wir investieren in dieses vielversprechende Materialentwicklungs- und Produktionsprojekt, weil wir sicher sind, dass wir auf diese Weise unsere Reifenproduktion langfristig weiter verbessern können", sagt Nikolai Setzer, der für den Reifenbereich zuständige Continental-Geschäftsführer. "Denn die Gummiextraktion aus der Löwenzahnwurzel ist deutlich wetterunabhängiger als die aus dem Gummibaum gewonnene. Aufgrund ihrer landwirtschaftlichen Bescheidenheit birgt sie ganz neue Potenziale - insbesondere für brach liegende Ackerflächen. Da wir wachsen können Wenn wir uns näher an unseren Produktionsstandorten befinden, können wir sowohl die Umweltbelastung als auch die Logistikkosten erheblich reduzieren.Dieses Entwicklungsprojekt zeigt eindrucksvoll, dass wir in Bezug auf die Materialentwicklung das Ende unserer Bemühungen noch nicht erreicht haben Potenzial."

"Wir haben in den letzten Jahren enormes Know-how in der Löwenzahnernte gesammelt. Mit Hilfe von DNA-Markern wissen wir jetzt, welches Gen für welches molekulare Merkmal verantwortlich ist. Dadurch können besonders ertragreiche Pflanzen wesentlich effizienter kultiviert werden." wie Prof. Dr. Dirk Prüfer die Forschungsanstrengungen am IME-Standort Münster beschreibt.

Dort haben sich Wissenschaftler intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Es gelang ihnen zu beweisen, dass der aus Löwenzahn gewonnene Kautschuk von der gleichen Qualität ist wie sein Cousin aus dem Kautschukbaum. Das Team um Prof. Prüfer sammelt erstmals umfassende Rohdaten zu den einzelnen Sorten, zu deren Kautschukgehalt und zu den biologischen Produktionsmechanismen. Mit diesem Wissen gelang es ihnen, besonders ertragreiche, robuste und einfach zu züchtende Sorten anzubauen. "Die größte Herausforderung bestand darin, das Unkraut in eine Nutzpflanze zu verwandeln und geeignete Sorten anzubauen. In der Zwischenzeit wiesen einige unserer Pflanzen einen deutlich erhöhten Kautschukgehalt auf. Diese werden wir nun durch die Züchtung noch weiter stabilisieren", erklärt Dr. Prof. Prüfer.

Für die Produktion kann nur die russische Sorte unserer heimischen Pflanzen verwendet werden. Dies ist der einzige Typ, der große Mengen an Gummi in seinem weißen Latexsaft enthält. Es ist immenses Potenzial im Löwenzahn verborgen. Gegenüber dem Gummibaum hat er drei entscheidende Vorteile: Seine Vegetationsperiode dauert nur ein Jahr, nicht mehrere Jahre. Danach können die Pflanzen sofort geerntet und durch Züchtung weiter optimiert werden. Gleichzeitig ist es weniger anfällig für Schädlinge. Und schließlich erfordert es kein subtropisches Klima und kann auf heimischen Anbauflächen gepflanzt werden.

"Mit dieser neuen Technologie können wir einen nachhaltigen Vorsprung für den deutschen Automobilmarkt erzielen. Zum einen macht sie die heimische Wirtschaft weniger abhängig vom Import von Rohstoffen. Zum anderen reduziert sie die Transportwege und damit die Transportkosten." verbessert die CO2-Bilanz ", so Dr.-Ing. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, beschreibt den Zweck und die wesentlichen Vorteile der Zusammenarbeit.