"Junge Chinesen von deutschen Unternehmen enttäuscht"

"Junge Chinesen von deutschen Unternehmen enttäuscht"

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Anonim

von der Universität Münster

Nach einer Studie sind junge chinesische Manager mit den Karrieremöglichkeiten in internationalen Unternehmen in ihrem Heimatland nicht zufrieden. "Die Beförderungserwartungen hochqualifizierter chinesischer Mitarbeiter werden durch flache Hierarchien und schlechte Festanstellungschancen eingeschränkt, mit denen westliche Unternehmen flexibel auf die Bedürfnisse des globalisierten Marktes reagieren", erklärt die Bielefelder Soziologin Junchen Yan. Die Ergebnisse der Studie wird er auf dem 32. Deutschen Orientalistentag im September in Münster vorstellen. Unternehmen müssen sich aufgrund der gesunkenen Hierarchiestufen und Karrieremöglichkeiten mit plötzlich ausscheidenden Mitarbeitern auseinandersetzen. "Dies erklärt, warum sich multinationale Unternehmen laut Umfragen zunehmend über unmotivierte Mitarbeiter und den Imageverlust beschweren, den Unternehmen in China in letzter Zeit erlitten haben."

Talentierte chinesische Mitarbeiter erwarten, dass eine Karriere in westlichen Unternehmen kontinuierlich voranschreitet, und dass es immer eine höhere Position gibt, wenn sich eine Beförderungsmöglichkeit ergibt, so der Forscher. Er führte 30 qualitative Interviews mit jungen chinesischen Mitarbeitern und Managern deutscher Unternehmen in China. "Nach ihrem Hochschulabschluss möchten sie alle zwei bis drei Jahre in der Hierarchie aufsteigen. Der Grund dafür ist, dass die soziale Stellung mit dem beruflichen Aufstieg wächst - eine operative Hierarchie breitet sich auf die Gesellschaft aus."

Jüngste Umfragen haben ergeben, dass internationale Unternehmen ihr Image als beste Arbeitgeber in China verloren haben und junge Arbeitnehmer ein chinesisches Unternehmen westlichen multinationalen Unternehmen als Arbeitgeber vorziehen. Gleichzeitig berichten die Medien regelmäßig über Beschwerden westlicher Unternehmen über schlecht engagierte chinesische Mitarbeiter bei der Arbeit.

"Qualifizierte Karrieren bringen nicht genug soziale Stellung"

Manager mit internationaler Erfahrung bilden nach Ansicht des Experten ein eigenes Milieu mit viel Prestige, das aus ihrer Sicht noch gesteigert werden muss. Die Mitglieder sehen sich als etwas Besonderes: "Wir kommen alle aus akademischen Familien und haben im Ausland studiert. Wir haben die Welt gesehen und auf jeden Fall gute Ideen entwickelt", hieß es in den Interviews, die Yan für den Bielefelder Absolventen führte Schule für Geschichte und Soziologie ".

Die Karriereerwartungen kollidieren jedoch mit der Personalpolitik multinationaler Unternehmen, die aus der westlichen Welt nach China importiert werden, wie der Soziologe beweist. "Unternehmen untergraben heute das Karrierebewusstsein einer aufstrebenden Mittelschicht im urbanen China, wenn sie Mitarbeiter nur eingeschränkt in Führungspositionen befördern und stattdessen eine 'neue Karriere' für qualifizierte Mitarbeiter und Projektmanager im unteren und mittleren Management anbieten. Mitarbeiter sind Zufriedenheit aus ihrer Position aufgrund ihrer Fach- und Projektkompetenz zu ziehen. Dies entspricht jedoch nicht den Vorstellungen chinesischer junger Mitarbeiter. "

Knappe Forschung zu chinesischen Mitarbeitern

Laut Yan hat die Forschung bisher im Gegensatz zu Wanderarbeitern die chinesischen Beschäftigten nicht ausreichend berücksichtigt. In Managementbüchern wird in der Regel davon ausgegangen, dass die Mentalität der chinesischen Mitarbeiter mit der der Heimatkultur übereinstimmt, ohne dass eine empirische Grundlage vorliegt. "Die subjektiven Deutungsmuster der Mitarbeiter, die auf einer professionellen Biografie und dem Kontext des Lebens beruhen, werden jedoch, wie die Interviews zeigen, ignoriert."

Der Wunsch junger Chinesen nach einer Karriere sei in den meisten westlichen Ländern bis in die 1970er Jahre realisierbar gewesen, erklärt Yan. Zu dieser Zeit war ein derartiger beruflicher Aufstieg durch Festanstellung und Massenproduktion möglich. "Viele junge Chinesen sehen nicht, dass eine Karriere in westlichen Unternehmen nicht mehr garantiert oder langsamer und nicht linear ist, wie die Interviews belegen. Sie schätzen auch keinen Erfolg, der auf der wachsenden fachlichen Qualifikation und dem Erreichen von mehr und mehr basiert komplexe aufgaben. Ihrer wahrnehmung nach bedeutet dies nicht genug soziales Ansehen. "

Einige japanische Unternehmen reagieren auf diese Erkenntnisse, indem sie zwischen der mittleren Ebene und dem Management Zwischenpositionen wie einen "Semi-Manager" einführen, um die Mitarbeiter zu fördern, erklärt der Experte. "Andere ausländische Unternehmen stellen nur eine geringe Anzahl von Absolventen von Elite-Universitäten ein und besuchen gezielt zweitklassige Universitäten, damit die Karriereerwartungen zukünftiger Mitarbeiter in den ersten Berufsjahren nicht enttäuscht werden."

Änderung der zukünftigen Personalpolitik

Laut Yan sollte für die künftige Personalpolitik multinationaler Unternehmen eine offene Kommunikation mit chinesischen Mitarbeitern über ihre Karriereziele stattfinden. Darüber hinaus sollten Unternehmen ihre Grundsätze der Karriereförderung besser erläutern und gezielt an einem besseren Image in China arbeiten. "Dies ist die einzige Möglichkeit, chinesischen Medienberichten zu widersprechen, die die enttäuschten Karriereerwartungen chinesischer Mitarbeiter regelmäßig dadurch erklären, dass die angestrebten Positionen von Expatriates und von aus westlichen Ländern entsandten Managern besetzt werden. Diese Interpretation wird nicht mehr anerkannt komplexe Gründe für die enttäuschten Erwartungen. So bleiben chinesische Mitarbeiter resigniert und unmotiviert im Unternehmen. "

Die Frage, ob chinesische Unternehmen heute mehr Karrieremöglichkeiten bieten als westliche Unternehmen - wie chinesische Medien dem Forscher zufolge häufig berichten -, wurde nicht empirisch analysiert. In jedem Fall sollte nach Yans Einschätzung beachtet werden, dass nationale Unternehmen nicht nur berufliche Leistungen fördern, sondern auch soziale Bindungen und politisches Engagement berücksichtigen. "Die Zukunft wird zeigen, inwieweit chinesische Mitarbeiter ihre Ideale für beruflichen und sozialen Erfolg als Maßstab für die gesamte chinesische Gesellschaft etablieren werden. Dies ist ein umstrittenes Thema in der Wissenschaft."

Der Soziologe Junchen Yan wird erste Ergebnisse seines Dissertationsprojekts auf dem größten Deutschen Orientalistentag (DOT) vorstellen, auf dem im September mehr als 1.000 Wissenschaftler aus aller Welt an der Universität Münster erwartet werden. In der Rubrik "Sinologie" stellt er das Projekt "Die Karriere chinesischer Manager im Transformations- und Globalisierungsprozess" vor. Insgesamt stehen rund 900 Vorträge und 80 Panels auf der DOT-Agenda. Mehrere hundert Wissenschaftler aus aller Welt werden sich mit sprachlichen, historischen und aktuellen Entwicklungen in Asien, Afrika und den arabischen Regionen befassen.